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15.11.09

A Decade of Hits IV

Die Top 50 des Jahrzehnts, Teil Vier (hier Teile III, II und I). Die Plätze 20 bis elf. Die Spannung steigt.

20. Kinski – Down Below It's Chaos (2007)
Eine Sub-Pop-Band, zu der ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen bin. Eigentlich machen sie ziemlich sicher sowas wie Stoner-Rock, allerdings sehr instrumentell. Ich weiß nicht, ob Stoner-Fans auf Kinski stehen, zumal sie auch ein wenig unglamuröse, oder eher unstonerige alte Säcke sind. Dafür drückt ihr "Down Below It's Chaos" ganz schön, für mich eines der spannendsten Alben 2007, auf eine sehr angestaubte Art. Für laut.de besprochen.

19. The Book Of Daniel – Songs For The Locust King (2006)
Mit The Book Of Daniel verhält es sich ähnlich wie mit Kinski. Sie kam einfach reingeschneit, die Platte, und ich habe wohl ob des komischen Albumtitels mal reingehört. Musikalisch ist TBoD wohl der Gegenentwurf zu den alten Herren und der Dame aus Seattle. Der Schwede Daniel Gustafsson macht schwermütige Musik, ohne dabei in Indieklischees zu verfallen. Eigentlich schafft er sogar so etwas wie einen eigenen musikalischen Kosmos. Indie-Jazz oder sowas. Auch live eine ganz tolle Sache, wie ich an einem unvergesslichen Abend in Gossau bei St.Gallen mit ca. 10 anderen Zuschauern erfahren durfte. Für laut.de besprochen.

18. Two Gallants – What The Toll Tells (2006)
Two Gallants sind vielleicht der größte Wurf von Saddle Creek seit Bright Eyes und The Good Life/Cursive. Zumindest künstlerisch gesehen. Die beiden Kalifornier überschreiten die Grenzen von Indiefolk, Alt. Country und Americana und kreieren einen Soundtrack für den bösen Südwesten, der von Gewalt, Hitze und Rassismus bestimmt wird. Ein fesselndes Album, das man sich auch als Soundtrack für einen sehr komischen Western vorstellen könnte. Eine der ganz positiven Überraschungen des Jahres 2006. Für laut.de besprochen.

17. Interpol – Our Love To Admire (2007)
Diese Interpol-Platte (die zweite in den Top 50) hat dann richtig bei mir gezündet. In meinen Augen ist die Stärke von "Our Love To Admire" gegenüber den ersten beiden Longplayern, dass sie auch als Ganzes sehr gut funktioniert und nicht von einzelnen Highlights lebt. Der kühle Pathos der New Yorker scheint hier auf die Spitze getrieben und Stücke wie "Pioneer To The Fall", "No I In Threesome" oder "The Heinrich Maneuver" sind bleibende Ohrwürmer geworden. Was mich ärgert: Dass ich die Band immer noch nicht live gesehen habe.

16. British Sea Power – Do You Like Rock Music? (2007)
Wow, was für eine Band, was für ein Hochgefühl. British Sea Power waren mir mit ihren ersten beiden Alben "The Decline Of ..." und "Open Season" schon aufgefallen. Vor allem die Bowie-Anleihen auf der zweiten Platte waren der Wahnsinn. Mit "Do You Like Rock Music?" steigerten sie ihre künstlerische Leistung noch einmal und fanden zu einer grandiosen Eigenständigkeit. Auch live sind die Engländer ein Sturm. Vielleicht das beste Indie-Album des Jahrzehnts. Für laut.de besprochen.

15. Sascha Funke – Mango (2008)
Sascha Funke ist in Electro-Kreisen natürlich kein Unbekannter, was mich natürlich nicht daran hinderte, ihn erst mit letztjährigem "Mango" zu entdecken. Minimal Techno muss nicht immer langweilig sein, habe ich erfahren. "Mango" ist ein schönes, abwechslungsreiches, fast zartes Album, dass sich prima für einen langsamen Sonntagnachmittag zuhause eignet, aber sicher auch prima auf der Afterhour am, äh, Montagmorgen laufen kann. Oder wann auch immer. Kein Wunder, dass Kollege Schuh die Höchstwertung gezückt hat.

14. Sonic Youth – Rather Ripped (2006)
Okay, meine Top 50 wären nicht komplett ohne Sonic Youth. Jetzt haben die in den vergangenen zehn Jahren fünf Studioalben rausgebracht, keine leichte Entscheidung also. Kurz vor "Murray Street" von 2002 gewinnt aber "Rather Ripped" den bandinternen Wettstreit. Weil es das wohl poppigste, zugänglichste Album der New Yorker ist, das ich je gehört habe. Und mit "Incinerate" so etwas wie einen persönlichen Superhit enthält. Nicht jeder SY-Fan wird hier zustimmen, aber ich finde diese Zahmheit, die "Rather Ripped" transzendiert, durchaus authentisch für die Band. Deshalb diese Platte.

13. Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That's What I'm Not (2006)
Um die Arctic Monkeys führte 2006 kein Weg vorbei, weder bei laut.de noch sonst irgendwo. Mit ziemlicher Leichtigkeit hievte die Redaktion die Engländer auf den Thron für das Album des Jahres, und auch ich konnte mich dem nicht entziehen. Dieser unverschämt direkte Garagenrock mit so herrlichen Perlen wie "Riot Van" musste einfach landen. Leider konnten sie mit den folgenden Alben qualitativ nicht an das Debüt heranreichen. Aber mehr als ein gutes Album braucht eine Band in Zeiten solch kurzer Aufmerksamkeitsspannen ja nicht, um zumindest temporär zur Legende zu werden.

12. The Thermals – The Body The Blood The Machine (2006)
Auch die Thermals finden sich zweimal in den Top 50, ebenso völlig zurecht. Bei wenig anderen Bands machte in der letzten Dekade Rockmusik so viel Spaß wie bei diesen Sub-Pop-Superhelden. "The Body The Blood The Machine" ist dabei aufgeladen mit religiösen Bildern, die dieser Platte eine ironische Größe geben, eine Überhöhung, die die darauf enthaltene Musik fast sakral erscheinen lässt. Und das gepaart mit einer ehrfürchtigen Poppigkeit, wow. We were born to sin! Für laut.de besprochen.

11. Franz Ferdinand – Franz Ferdinand (2004)
"Ich heiße superfantastisch, ich trinke Schampus mit Lachsfisch!" Die wohl obskurste Songzeile der Noughties. Was dadaistisch daherkam, wurde untermalt von ähnlich abstraktem in den dazugehörigen Videos. Kein Zweifel, Franz Ferdinand haben den Scheiß (Kunst) studiert. Und setzen es aber gleichzeitig aber so um, dass es eine wahre Freude ist. Im Nullkommanix sind die Schotten nicht mehr aus der Indiedisco wegzudenken. Auch ihre Nachfolgealben taugen etwas (im Gegensatz zu den südlichen Kollegen der Monkeys), wenn auch nicht in der ganzen Gloria des Debütalbums.

Nächste Woche dann die Top Ten. Jippiejippiehyeah!

18.10.09

A Decade of Hits

Wo ist die Zeit hin? Ein Jahrzehnt geht zu Ende, und das geht nicht ohne die obligatorischen Rückblicke von statten. Da von 2000 bis 2009 Musik das beherrschende Thema bei mir war, liegt es natürlich nahe, eine entsprechende Umschau zu bieten. Ich mache es mir zugegebenermaßen auch einfach. Schon vor einigen Wochen waren alle laut.de-Mitarbeiter aufgefordert, ihre Top 50 Alben und Songs des Jahrzehnts abzuliefern. Eine Mammutaufgabe, deren Ergebnis ich hier wiedergeben möchte. Ohne Anspruch auf Komplettheit, ohne Anspruch auf Geschmack. Heute und immer wieder Sonntags im Zehnerpack die Alben, Mittwochs die Songs. Das Redaktionsergebnis gibt es bei laut.de übrigens schon nachzulesen, mit zwei erwartbaren Topplätzen.

50. Saul Williams – The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust (2007)
Lyricist Saul Williams und NIN-Frontmann Trent Reznor tun sich zusammen und produzieren eine Platte. Benannt in Anlehnung an das Meisterwerk von Bowie kommt hier selbst ein kleines Goldstück heraus. Eklektisch, fett, und mit der wohl grausamsten Coverversion von "Sunday Bloody Sunday", die U2 je über sich haben ergehen lassen müssen. Ein Album wie die Naughties. Bunt, grell manchmal, schnell und von allem ein bisschen. Das ganze im Eigenvertrieb und auf Wunsch kostenlos herunterzuladen, ganz im Sinne von Reznors Mittelfingerpolitik gegenüber der etablierten Labels. Für laut.de besprochen.

49. Jarvis Cocker – Further Complications (2009)
Ich war ja nie so der Pulp-Fan, aber Jarvis Cocker solo gefällt mir doch ausnehmend gut. Warum auch nicht? Zynismus, Dandy-Tum, Pop und Auflehnung in homöopathischen Dosen bietet der Engländer auf auf dem Solo-Output. Live habe ich ihn mal mit laut-Entourage in Köln gesehen, sehr fein, und das zweite Album "Further Complications" geht mir ein bisschen besser rein als das Solo-Debüt "Jarvis.

48. Interpol – Antics (2004)
Interpol haben spät gezündet bei mir, so schätzungsweise 2006. Dafür dann aber so richtig. Das Unterkühlte, an das gekünstelte Understatement der 80er erinnernde der New Yorker entspricht zwar nicht so ganz meinem Naturell, ist aber als künstlerische Pose durchaus zu schätzen. Und der Überhit "Slow Hands" funktioniert auch in Grey's Anatomy ganz hervorragend. Oder war es "Evil"? Egal. Eine Band mit drei Topalben, hier schon mal eins. Respekt übrigens auch an den Kollegen Schiedel, der Interpol vor allen anderen verstanden hat.

47. The Thermals – Fuckin A (2004)
The Thermals machen Rock'n'Roll wie ich ihn liebe. Ohne unnötige Schnörkel, wohl aber mit Melodie (nötige Schnörkel eben), mit ordentlich Rumms und vor allem: Mit Gudelaune garantiert. Dabei nicht einmal belanglos, sondern durchaus mit Anspruch im Text. Ein Trio, bei Sub Pop unter Vertrag, bei laut.de außerdem Abonnenten auf Höchstwertungen. Gute Menschen hören Thermals.

46. Zoot Woman – Zoot Woman (2003)
Das zweite Album von Zoot Woman schlug in dem Jahr in der laut-Redaktion ein wie eine Bombe, in dem ich dort anfing. Prompt wurde es Album des Jahres und "Grey Day" Song des Jahres. Entsprechend findet sich Zoot Woman auch in der Jahrzehntsabrechnung redaktionsübergreifend auf Platz Drei. Ich konnte diese bedingungslose Begeisterung trotz aller Liebe für einzelne Hits nie so ganz teilen, dennoch reicht es natürlich auch hier für die Top 50. Allein schon wegen "Grey Day".

45. Justice – Cross (2007)
Mit Justice ist es so eine Sache: Entweder man liebt Daft Punk und hasst Justice, oder man ist zu jung für Daft Punk (geht das?) und liebt Justice. Ich persönlich ziehe Justice Daft Punk vor, wenn auch nicht bedingungslos und offensichtlich nicht aus Altersgründen. Justice knallen einfach mehr (dafür haben Daft Punk die besseren Melodien). Sie verkörpern für mich mehr Badass-Attitüde und haben meiner Meinung nach französische, elektronische Musik wieder interessant gemacht. Aber ich lasse da mit mir streiten. Für laut.de besprochen.

44. Slayer – Christ Illusion (2006)
Seit meiner frühen Jugend höre ich keinen Metal mehr. Doch an Slayers "Christ Illusion" führte '06 kein Weg vorbei. Irgendjemand (war es einer bei SpOn?) schrieb damals: Slayer gehen da hin, wo es uns viel zu weh täte. "Christ Illusion" kennt keine Verwandten, nimmt keine Gefangenen, usw. usf. Metal as fuck, und ich bin tierisch gespannt auf den Nachfolger "World Painted Blood".

43. The Lemonheads – The Lemonheads (2006)
Die Nullerjahre waren für mich auch irgendwie ein Finden von gesetzterem, "erwachsenem" Musikgeschmack. Dazu zählt mit Sicherheit das Entdecken der Smiths und von Morrissey, aber auch die gewachsene Wertschätzung für Sonic Youth. Und natürlich die Lemonheads und deren Frontzottel Evan Dando. Das selbstbetitelte Album birgt in der Tat eine Erwachsenheit, wie man sie von der Band vorher auch noch nicht kannte (behaupte ich). Was ja nicht heißt, dass so eine Platte nicht auch Spaß machen kann. Denn das tut sie (siehe zum Beispiel "Poughkeepsie").

42. Nine Inch Nails – Year Zero (2007)
Im Frühjahr 2007 hat Trent Reznor die laut-Redaktion ganz schön in Atem gehalten. Fast täglich gab es damals neue Hinweise auf sein neues Album, am Ende war eine ausgewachsene Schnitzeljagd im Netz entstanden, mit Tentakeln in der echten Welt. So ausgeklügelt und zugegebenermaßen spannend das Drumrum auch war – "Year Zero" hielt für mich den Erwartungen stand. Wieder etwas kantiger als "With Teeth" präsentierte sich Nine Inch Nails auch live damals voll auf der Höhe. Für laut.de besprochen.

41. Gallows – Orchestra Of Wolves (2007)
Ist es Punkrock? Ist es Hardcore? Ist es eine Art Metal? Ich weiß es nicht abschließend, aber Gallows waren damals schon eine kleine Offenbarung. Interessante Punkbands sind heute wirklich dünn gesät (außer Pissed Jeans und Paint It Black fallen mir nicht allzu viele ein, die nicht ausschließlich im Underground operieren), die Briten gehören dazu. Dazu bietet Sänger Frank Carter ein fast schon bizarres Äußeres: Hager, volltätowiert, rothaarig. Ein Frontmann wie die Musik – ein fieser Bastard. Für laut.de besprochen.

Am Mittwoch gehts dann mit den Songs (Platz 50-41) weiter, nächsten Sonntag dann die Albumplätze 40-31.