30.11.09

Schweizer Käse – Das Kreuz mit dem Minarett, Nachschlag

Wenn man sich ein wenig mit den Reaktionen auf das Minarett-Initiativen-Ergebnis beschäftigt, kann man ganz schön ins Kotzen kommen. Entweder weil man solidarisch mit Schweizer Kollegen erbrechen möchte, oder weil einem die Galle bei selbsternannten Vaterlandshütern hochkommt. Ich will jetzt gar nicht auf die einzelnen Argumente und Gegenargumente eingehen, jeder vernünftige Mensch kann selbst seine Schlüsse ziehen.

Arg übel wurde mir heute, nachdem ich unter dem gestern schon erwähnten, äußerst fragwürdigen Kommentar von Christian Leu (angesehener Schweizer Blogger und Twitterer und bekennendes SVP-Mitglied; er schreibt in seinem kurzen Beitrag sinngemäß allen, die gegen die Entscheidung in der Minarettinitiative gesprochen haben, den gesunden Menschenverstand ab) kommentiert hatte. Nur weil man offen das offensichtliche ausspricht, wie ich es hier gestern schon getan habe, wird einem jegliches Verständnis für die Sachlage und mangelndes Demokratieverständnis nachgesagt, am übelsten (nämlich offen rechts) ist allerdings Kommentar 27 vom schweizbekannten Pöbler Annubis, der in seinem Blog ähnlich Hirnloses verzapft. Hätte Annubis in den Sechzigerjahren in Westdeutschland gelebt, hätte er wohl diejenigen, die es gewagt haben, Fragen über die NS-Vergangenheit ihrer Eltern zu stellen, am liebsten in einen Sack gesteckt und über die Mauer geworfen.

Auf der anderen Seite zeigt sich im Laufe des Tages beispielsweise in befreundeten und bekannten Akademiker-Kreisen das wahre Ausmaß. Von verständnisloser Entrüstung über fassungsloses Entsetzen kommen diejenigen, die etwas reflektierter an die Sache herangehen, zur Einsicht, was da gestern passiert ist: Eine Partei hat es über Jahre geschafft, ein Klima zu schaffen, in der eine äußerst diffuse Angst sich in einem völkischen Aufschrei Gehör verschafft, die Angst vor "dem" Moslem, dem Bärtigen Terroristen, der (so scheinbar die Logik von Annubis) zwangsweise mit einem Minarett ausgeliefert wird. Diese entsetzten, aufgeklärten Akademiker zweifeln nun mindestens an der direkten Demokratie, oft aber auch an der liberalen Grundausrichtung der Schweiz generell.

Fest steht, dass mit dem gestrigen Votum einiges Porzellan zu Bruch gegangen ist, selbst wenn in Zukunft niemand direkt in der Ausübung seines Glaubens behindert wird. Die direkte Demokratie könnte Schaden genommen haben, das Ansehen der Schweiz hat es auf jeden Fall.

29.11.09

Schweizer Käse – Das Kreuz mit dem Minarett


Eigentlich hatte ich das hier noch vor der Volksabstimmung zum Minarettbau in der Schweiz posten wollen, jetzt ist es zu spät und das Kind in den Brunnen gefallen (s.o.).



Ein paar ungeordnete Gedanken zur Abstimmung der Schweizer über den Minarettbau. Lange hab ich mich mit offenen Einschätzungen des Landes, in dem ich zu Gast bin, zurückgehalten, heute scheint es angebracht, etwas anzumerken. Vor allem, weil mich das alles so ankotzt. Wer mich kennt, weiß, dass ich dem Islam sehr kritisch gegenüberstehe und selbst am Besten ganz ohne Religion leben könnte.

Dennoch muss sich jeder, der einen Schweizer Pass besitzt, bewusst sein, dass Helvetia heute ein rassistisches Votum getroffen hat. Die SVP verkauft das Ergebnis des Volksentscheids natürlich als rein bauliche Entscheidung und als Ja zur Integration von Ausländern, doch dem gemeinen Wahlvolk wird das architektonisch-ästhetische Für und Wider herzlich egal gewesen sein. Das Ja zum Minarettverbot zeugt von einem dumpfen, kleinbürgerlichen Rassismus, erstaunlich ist lediglich, dass fast jedes Kanton dafür gestimmt hat. Allein die aufgeklärten Stadtkantönler aus Basel und die Romands haben sich (teilweise) mehrheitlich gegen das Verbot ausgesprochen.

Eine solche Entscheidung hätte so natürlich auch in Deutschland eintreffen können, ich bin mir sogar recht sicher, dass die Deutschen nicht klüger entscheiden würden, ließe man sie nur. Das heutige Ergebnis zeigt, dass es nicht immer gut ausgeht, wenn man das Volk nach seiner Meinung fragt. An einen Volksentscheid in Deutschland möchte ich lieber gar nicht denken.

Mag man dem Islam auch kritisch gegenüber stehen, mit Emanzipation des Geistes hat dieser Entscheid nichts zu tun. Wirklich aufgeklärt wäre wohl eher eine Ablehnung aller Gotteshäuser gewesen.

Wenig tröstlich, aber dennoch nicht völlig entmutigend sind die Reaktionen derer, die ähnlich aufgeklärt zu sein scheinen, wie ich mich es wähne. Auf Twitter finden sich deutliche Worte:

Feeling disgusted by the first predictions. Are we really such a xenophobic society?

David, you're Swiss, right? - No, today I'm from Basel.

Ich bin schockiert und enttäuscht, dass die Vorlage wohl angenommen wird.

Embarrassed and ashamed that the country I'm from and live in has just banned minarets. Makes me want to leave...


Bei Facebook gibt es eine Gruppe "Ich schäme mich für das Resultat der Minarett-Initiative", deren Zahl im Laufe des Tages rapide angestiegen ist, und die um zwanzig vor neun fast 22,000 Mitglieder zählt (und auf deren Startseite mich zwei meiner jüdischen Facebook-Kollegen anlächeln). Erstaunlicherweise halten sich z.B. die älteren Twitterer zurück bzw. bloggen unangenehm ambivalente Einträge.

Am deutlichsten sagt es wohl ein Schweizer Kollege per SMS: "Da wird mir übel. Rassistisch hirnlos und scheinheilig glaubenstrunken macht ne nazichristen-fraktion, plus ein paar flachdenker, politik."

Spontante Kundgebungen und Mahnwachen hat es zumindest in Basel, Bern, Zürich und St. Gallen gegeben, vor dem Bundeshaus in Bern fanden sich laut @rolandstuder am frühen Abend rund 300 bis 400 Leute ein. All das ist natürlich hilfloser Aktionismus, doch das Gefühl, dass man nicht allein ist, mit seiner "guten" Meinung, schweißt zusammen. Was das Votum für die Schweiz bedeutet, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen, aber mich würde nicht erstaunen, wenn fanatische Idioten die ein oder andere Schweizer Flagge anzünden. Wundern dürfte man sich in der Alpenrepublik darüber nicht.

Edit: Der Politikwissenschaftler in mir zwingt mich zu folgendem Nachschub: Die Abstimmungsbeteiligung war (konnte man sich denken) scheinbar recht niedrig. Das relativiert das Ergebnis ein wenig, ändert aber nichts an meiner grundsätzlichen Einschätzung.

A Decade of Hits – Die Songs

Nach den in meinen Ohren fünfzig besten Alben des Jahrzehnts jetzt noch die 50 besten Songs. Wieder in fünf Teilen, in unregelmäßigen Abständen. Nicht groß kommentiert, man soll die Musik ja auch mal für sich sprechen lassen.

50. The Libertines – Can't Stand Me Now (2004)


49. Graham Coxon – Freakin' Out (2004)


48. Black Strobe – Brenn Di Ega Kjerke (2007)


47. Franz Ferdinand – Take Me Out (2004)


46. Death From Above 1979 – Romantic Rights (2004)


45. Arctic Monkeys – When The Sun Goes Down (2005)

(Auch schön im Fake-ID-Remix.)

44. Architecture In Helsinki – Do The Whirlwind (2005)


43. Danko Jones – Cadillac (2001)


42. Wilco – Spiders (Kidsmoke) (2004)


41. Stars – The Night Starts Here (2007)

Dig!


(Via Yimmys Yayo.)

Hip Hop is dead?

Hier mal ein gesonderter Lesehinweis. Regelmäßige Leser wissen, dass Simon Reynolds einer meiner liebsten Musikjournalisten ist. Jetzt hat er, dem Kollegen Sasha Frere-Jones vom New Yorker folgend, Hip-Hop für tot erklärt. Nicht tot im Sinne von: Es gibt in absehbarer Zeit niemanden mehr, der Hip-Hop macht, sondern tot im Sinne von: Es wird Hip-Hop noch geben, ab und zu sogar im Hit-Format, aber nicht mehr als Mainstream-Genre wie in den Achtzigern, Neunzigern und Noughties. Nachdem ich Reynolds (stets lesenswerte) Kolumne beim Guardian gelesen habe, bin ich geneigt, ihm nicht nur zuzustimmen, sondern seine Theorie auch auf andere Genres anwendbar zu sehen. Schließlich verallgemeinert er selbst sehr treffend:

The refusal to admit that a genre can die (which doesn't mean literally disappear – it may even generate good stuff now and then – but refers to stagnation, irrelevance, becoming uncoupled from the zeitgeist) is a denial of the possibility of change, renewal, the unexpected. The very vitality of a form of music implies the possibility of its eventual death.


In diesem Sinne: Hip Hop is dead, long live Hip Hop!


(Nas meinte es zwar etwas anders, gleichzeitig ist dies eine Nummer aus einer Zeit (2006), in der man Hip-Hop laut Reynolds schon hätte einbalsamieren sollen.)

26.11.09

Schweizer Käse – Die Schweiz im Winter

Den Schweizern fehlt es nicht – entgegen anderslautenden Behauptungen – an Humor, geschweige denn an Selbstironie. In diese Kerbe schlägt auch der Tourismus-Werbespot, in dem man Zeuge wird, wie sich die Schweiz für ihre Wintergäste herausputzt.

(Via SwissMiss.)

Dig!

Das 8-Bit-Thriller-Tribute

Kurz und knackig, so soll es sein. Saitone huldigt in nicht mehr als 8 Bit dem King of Pop. Mit Zombies und Splatter. Yeaahh!

(Via Laughing Squid.)

25.11.09

Dig!

Muppets go Bohemian

Warum passiert das eigentlich erst 2009? Den Song gibt es lang genug, die Muppets auch, aber was mecker ich? Jetzt kommt endlich zusammen, was zusammen gehört. Guten Morgen!
(Via Laughing Squid.)

So schön, so gaga

Wenn Beck und Charlotte Gainsbourg duettieren, dann erwartet man erstmal nur Schönes. Aber wenn das Video dazu noch herrlich gaga ist (oder ist es einfach nur Dada?), dann wird das ganze Unterfangen spektakulär.

(Via 78s.)

23.11.09

A Decade of Hits V

Die Top Ten Alben des Jahrzehnts. Der Olymp. Bin gespannt, was ihr meint. (Teil IV, Teil III, Teil II, Teil I.)

10. Deftones – White Pony (2000)
Die Deftones habe ich (Nixchecker) das erste Mal 2000 in einem Second-Hand-Laden gehört. Hat mich ziemlich weggeblasen damals. Die Verletzlichkeit, der Schmerz, die Wut, die Morbidität. Gekauft hab ich damals nix im Laden, bin dafür direkt in den nächsten Plattenladen und habe die "White Pony" gekauft. Ich mag die alten Sachen immer noch sehr, die ersten drei Alben sind wohl unerreicht. Auch im Konzert eine echte Offenbarung. Sie haben locker eine Vorband namens Linkin Park an die Wand gespielt, und Chino Moreno, heute dick und unbeweglich, war ein Derwisch, wie man ihn selten gesehen hat.

09. Morrissey – You Are The Quarry (2004)
Ich bin erst in der Neuzeit zu Morrissey gekommen. Die Smiths habe ich eher vom Gassenhauer "Panic" gekannt und Moz selber nur in den Neunzigern mit seinem Überhit "The More You Ignore Me The Closer I Get" (und nur bedingt mit dem viel, viel besseren "Everyday Is Like Sunday") wahrgenommen. Egal. "You Are The Quarry" hat glaube ich in der ganzen Laut-Redaktion eine Art Morrissey-Craze ausgelöst, deren grösste Träger die Kollegen Schuh, Henze, Oriwall, Mengele und ich sind. Zurecht. "You Are The Quarry" ist ein rundum perfektes Album mit mindestens zwei Mördersingles ("Irish Blood, English Heart" und "The First Of The Gang To Die") und jede Menge hochkarätigem "Füllmaterial". Topp.

08. Queens Of The Stone Age – Songs For The Deaf (2002)
Als Visionsleser bin ich schon relativ früh auf die Queens gestoßen. Dementsprechend schlug "Songs For The Deaf" ein wie eine Bombe auf bereitetem Acker. Ein Monster von einem Album, Hits am laufenden Band, die auch nach sieben Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren haben (am Wochenende erst wieder erlebt). Ich hatte damals das Glück, die Band mit Dave Grohl an den Drums live zu sehen. Eine Naturgewalt. Danach waren QOTSA nie wieder so gut und ich nie wieder so Fan. Ein Album, an dem kein Weg vorbei führt.

07. Turbonegro – Scandinavian Leather (2003)
Das Comeback-Album von Turbonegro, das auch mich zur Band gebracht hat. Es reicht fast an "Apocalypse Dudes" heran, wirkt ausgefeilter, nicht so roh. Statt Arschrakete jetzt der Mut zum Erfolg im Rockzirkus. Statt Untergang der Phoenix aus der Asche. Auch die Norweger waren damit auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angekommen, und ich bezweifle mittlerweile, dass da nochmal ein (gutes) Album kommt. "Scandinavian Leather" würde mich über einen Split einer meiner absoluten Lieblinge hinwegtrösten. (Dass es "Sell Your Body (To The Night)" übrigens bis in die Top 20 der laut.de-Songcharts geschafft hat, und zwar völlig ohne mein Zutun, habe ich bis heute nicht geschnallt.)

06. Bright Eyes – Lifted Or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground (2002)
Anfang 2003 bin ich zu Saddle Creek gekommen, über ihre damals sehr charmante englische Vertretung. Ich bin in kürzester Zeit, vor allem Dank Cursive, zu einem Jünger mutiert. Aber auch "Lifted" hat es mir schnell angetan. Heute halte ich es für das zweifelsohne beste Album, das auf Saddle Creek erschienen ist, noch vor Cursives epischem "The Ugly Organ". Soviel Schönheit, soviel verstörendes, soviel Traurigkeit auf einem Album. Soviel Ich-kann-das-nicht-hören, soviel Ich-kann-nichts-Anderes-hören. Conor Oberst hat sich verewigt in dem Moment, wo ihm alles entglitten ist, und (zum Glück) bevor er sich wieder gefangen hat.

05. Beatsteaks – Smacksmash (2004)
Noch so ein Album, das mich getroffen hat, wie ein Vorschlaghammer. Allerdings erst nach mehrmaligem Hören. "Smacksmash" ist ein Grower vor dem Herrn gewesen in seiner Zeit und für mich heute eines der Rockalben des Jahrzehnts. "I Don't Care As Long As You Sing" hat mich lange gestört, heute kann ich gut damit leben. Meine Lieblinge, für immer aufs Herz tätowiert: "Big Attack" und "Atomic Love". Erschwerend kommt bei den Buletten natürlich hinzu, dass sie die beste Liveband der Welt sind. Punkt. Animationsscheiße hin oder her. Es geht nix über die Beatsteaks in Concert. Basta! (Eine Tatsache, von der ich übrigens schon mehrere gar nicht rockaffine laut-Redaktionsmitglieder überzeugen konnte.)

04. At The Drive-In – Relationship Of Command (2000)
Zuerst konnte ich ja gar nix mit At The Drive-In anfangen. Von der Visions schon fast zu Tode gehypt, fand ich mich eher ablehnend bis verständnislos. Was sollte der arrhythmische Lärm? Später hab ichs dann gecheckt. Zu spät für die Band, für diese Legende, über die eigentlich schon alles geschrieben wurde. "Relationship Of Command" steht als Denkmal ihrer selbst. In den beiden Nachfolgebands Sparta und The Mars Volta (beziehungsweise in deren Gegensätzlichkeit) kann man gut sehen, warum das nicht auf Dauer gut gehen konnte. Ich habe mich nach je einem Album auf die Seite von Sparta geschlagen. Für laut.de habe ich einmal Jim Ward interviewt, ein sehr netter Kerl.

03. Tocotronic – Kapitulation (2007)
Oh, "Kapitulation". Tocotronic habe ich ja auch viel zu lange vernachlässigt. Eigentlich bis Anfang dieses Jahrzehnts, fahrlässig. Doch dafür übersteigert sich meine Verehrung in der Liebe zu "Kapitulation". Für mich das perfekte Album von Tocotronic, ich wüsste nicht, was danach noch Besseres kommen soll. Im Januar soll es soweit sein. Ich bin hoffnungsfroh und ängstlich zugleich, denn das große Gefühl, das "Kapitulation" getragen hat, in seiner Totalität des Entgleitens, des absoluten Verlusts, das lässt sich wohl kaum Wiederholen. Keine Frage, Tocotronic sind eine der wenigen Bands, die von Anfang an gut waren und sich dann mit (fast) jedem Album gesteigert haben. Obendrein sind sie eine auch politisch höchst integre Band (ich habe Dirk und Arne im Interview mal darauf angesprochen und trotz aller Indizien wollten sie sich nicht festlegen). Jeder Mensch sollte ein libidöses Verhältnis zu Tocotronic pflegen.

02. The Streets – Original Pirate Material (2002)
Das einzige Album mit Beats in den Top Ten. Aber heilige Mutter Maria, was für eines. Über Radio Eins (!) gehypt, bzw. völlig zurecht transportiert, hat diese Scheibe damals meine Kollegenschaft in der Poststelle des Cornelsen Verlags völlig aus dem Häuschen hinterlassen. Und zwar die Alten, wie die Jungen. Diese Beats, die Samples, die Stimme, dieses Storytelling, diese Beiläufigkeit. Und das alles soll er zuhause am Rechner zusammen gebastelt haben? Ein Genie, mindestens! "Let's Push Things Forward", ein Hit für die Ewigkeit. Beim Antrittsbesuch des blassen Mike Skinner barst das SO36 aus allen Nähten, am Ende haben alle, inklusive Tonmann und Barpersonal applaudiert. Eine Musik, der man sich nicht entziehen kann.

01. mclusky – Do Dallas (2002)
Das ist es also. Der Gipfel. Die Ultima Ratio. Die Mutter aller Platten (zumindest der Nuller Jahre). Und ich kann es gar nicht erklären. Ich komme mir ein bisschen so vor wie der geremixte Slayer-Fan. mclusky sind einfach rrrrrrrrrraaaaaaaaaaaaahhhh!!!einself Raw Power! Wahnsinn! Absolute Ungezügeltheit! Wut, Ironie, Theater. Live genauso irre wie auf Platte. Im Magnet hat beim mclusky-Konzert ein Crowd-Surfer die große Discokugel von der Decke gekickt, 2003 stand Basser Jonathan Chapple auf dem Westend-Festival am Ende nackt auf der Bühne. Rotblonde Schamhaare sind nicht das schönste auf der Welt. Aber dieser Anblick fasst den Irrsinn, den mclusky stehts (und nie so in Perfektion wie hier) vertont haben, ganz gut zusammen. Besser gehts nicht. Nicht in diesem Jahrzehnt.

Antisemitische Schläger unmöglich machen – auch linke!

Der folgende Text (und die Überschrift) ist 1 zu 1 übernommen vom Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten. Bitte lesen und bei Zustimmung per Kommentar dort unterstützen. Eine Liste der Unterstützerinnen (neben Privatpersonen und politischen Gruppierungen u.a. auch Tocotronic, Das Bierbeben und Superpunk) findet sich auf der Bündnis-Seite.

Am Sonntag, den 25.10.2009, verhinderten Antisemitinnen und Antisemiten gewaltsam eine vom Hamburger Programmkino b-movie und der Gruppe Kritikmaximierung geplante Vorführung von Claude Lanzmanns Film »Warum Israel«.

Mitglieder des »Internationalen Zentrums« B5, der Gruppe »Sozialistische Linke« (SoL) und der »Tierrechtsaktion Nord« (TAN), die sich mit Mundschutz und Quarzsandhandschuhen auf eine körperliche Auseinandersetzung vorbereitet hatten, verweigerten den Gästen den Zugang ins Kino. Besucherinnen und Besucher wurden dabei gezielt ins Gesicht geschlagen und als „Schwuchteln“ und „Judenschweine“ beschimpft. Auch in den Tagen darauf wurden Gäste, die von Blockadebeteiligten auf der Straße wiedererkannt wurden, bedroht und, in mindestens einem Fall, auch tätlich angegriffen.

In einer offiziellen Stellungnahme rechtfertigte die B5 die Gewaltausbrüche inhaltlich und tat sie als „kleinere Rangeleien“ ab. Diese Erklärung strotzt abermals vor antisemitischen Klischees: So wird etwa „der Zionismus“ als „rassistisches Projekt“ bezeichnet, mittels dessen „künstlich der jüdische Charakter gewahrt werden“ solle. Denn als künstlich gilt der antisemitischen Denkweise immer das jüdische, als natürlich aber alle anderen Völker.

Wir halten es für unerträglich,

* dass ein Kino sein Programm vom Wohlwollen einer benachbarten Aktion Saubere Leinwand abhängig machen soll;
* dass Linke sich als antisemitischer Kampftrupp formieren, um missliebige Veranstaltungen zu Israel zu unterbinden;
* dass ein Film von Claude Lanzmann, französischer Jude, Résistancekämpfer und Regisseur von »Shoah«, der bedeutendsten Dokumentation über die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, in Deutschland zum Angriffsziel einer militanten Blockade werden kann.

»Warum Israel« (1973) zeigt nicht bloß die verschiedenen Facetten der israelischen Gesellschaft. Es geht darin, aus der Perspektive eines Diasporajuden, um die Bedeutung des jüdischen Staates als Konsequenz aus der Shoah. Wer, wie die B5, die Vorführung eines solchen Films als „Provokation“ versteht, der nur mit Gewalt beizukommen sei, steht auf der Seite der Barbarei.

Dieses Spektrum ist seit Jahren dafür bekannt, seinen Antisemitismus gewaltförmig auszuleben. Es sind die gleichen, die sich 2002 mit Gewalt Zutritt zum Freien Sender Kombinat (FSK) verschafften und dort einen Kritiker ihres Israelhasses fachmännisch zusammenschlugen; die auf einer antifaschistischen Demonstration im Januar 2004 die Trägerinnen und Träger eines Transparents »Deutschland denken heißt Auschwitz denken« von der Kundgebung prügelten; die seither bei zahlreichen Gelegenheiten Menschen, die Israelfahnen oder -buttons trugen oder aus anderen Gründen nicht in ihr Weltbild passten, bedroht, geschlagen oder mit Flaschen und Steinen beworfen haben.

Was es diesen Gruppen um die B5 bislang stets erlaubt hat, ihre Übergriffe weiter fortzusetzen, ist die Tatsache, dass sie von der Mehrheit der Linken und Alternativen entschlossene Gegenwehr nicht zu fürchten hatten. Kaum jemand der Linken steht ausdrücklich auf ihrer Seite; aber allzu viele waren dennoch bereit, ihnen ihr Plätzchen im Bündnis, auf dem Stadtteilfest oder sonst wo in der Szene freizuhalten.

Weil wir wissen, dass es ebenso verantwortungslos wie gemeingefährlich wäre, Antisemitinnen und Antisemiten gewähren zu lassen; weil wir wissen, dass die Schlägerinnen und Schläger mit jedem Erfolg nur stärker werden – daher halten wir es für unabdingbar, dass am 13.12., bei der Neuansetzung von »Warum Israel« im b-movie, der Film auf jeden Fall gezeigt wird.

Um die Angreiferinnen und Angreifer vom 25.10. politisch zu isolieren und eine Wiederholung ihres antisemitischen Gewaltspektakels zu verunmöglichen, rufen wir für diesen Tag zu einer Demonstration zum b-movie auf.

Auftaktkundgebung: 13.30 vor der Roten Flora
Abschlusskundgebung: 15.00 vor dem B-Movie

(Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten, 18.11.09)

22.11.09

Yum!


("Super Epic Rainbow Cake", via Swissmiss.)

20.11.09


(Via Ms. Cakehead.)

Blumio erzählt Wissenswertes über Haie

Ich bin ja eher so der Hip-Hop-Clown/Partyrapper, deswegen passt als 666. Post in diesem Blog Blumios neue Nummer "Lass Ma Über Haie Reden" wie die Faust aufs Auge. Der Düsseldorfer Rapper im Haikostüm ist alleine schon diesen Eintrag wert.

18.11.09

Ein neues Blog ist wie ein neues Leben


So, jetzt ist es passiert. Ich habe heute wieder einmal Premiere gefeiert. Diesmal auf einem neuen Blog. In Zukunft werde ich (hoffentlich) regelmässig für das 78s-Blog schreiben. Wobei für meine Begriffe die Bezeichnung Blog ein wenig Fehl am Platze ist. 78s.ch ist eines der meistgelesenen (oder das meistgelesene?) Online-Musikmagazine der Schweiz. Und ein höchst sympathisches dazu. Vor einigen Wochen schon hatte ich mich mit einem der drei Haupt-78er, David, getroffen und er hat mich sozusagen erfolgreich angeworben. Für mich ist das ein willkommener Schritt a) zurück zum Indie (im musikalischen wie auch im Sinne von "Mama, ich bin zurück vom Mainstream") und b) in die Schweizer Musikszene. Zum Anfang habe ich über ein Thema geschrieben, dass ich auch schon hier aufgegriffen und bei laut.de verarztet habe: Michael Lavines und Thurston Moores Buch "Grunge".

Shitty day?

Eine schöne Idee. Diese Seite aggregiert alle Tweets mit den Wörtern "shitty" und "day" und macht sie schön. Die Scheißtage.

Dig!

15.11.09

Ein Webcafé für Zürich

Zürich braucht ein eigenes Webcafé. Nicht so ein Internetcafé wo Halbstarke chatten und Hausfrauen das Internet ausdrucken, ne, ich meine einen Hangout, einen Anlaufpunkt, einen, äh, Hub für die Webszene der Stadt. Während meiner Arbeit in den letzten 15 Monaten habe ich festgestellt, dass viele derer, die im Webbereich arbeiten, durchaus Lust haben, sich miteinander zu vernetzen. Oft fehlt es aber am nötigen, lockeren Rahmen. Natürlich gibt es gute, besuchenswerte Veranstaltungen wie den Web Monday, den Web Tuesday, die Chuchis usw. usf. Ich bin allerdings der Meinung, dass es einen Ort geben sollte, an dem man sich jederzeit treffen und miteinander austauschen kann. Ausserhalb von Arbeit und Büro. Vorzugsweise wäre das natürlich irgendwo, wo man sich gerne aufhält. Ergo: ein Café. So wie das Oberholz in Berlin (minus das Prätentiöse, das da mitschwingt).

Deshalb habe ich mich auf die Suche begeben, zusammen mit einigen Mitstreitern. Bei Amazee habe ich ein Projekt aufgesetzt, in dem Ideen gesammelt und das Finden eines idealen Standortes koordiniert werden. Zwei Cafés habe ich schon angesehen und für relativ ungeeignet befunden (das Sphères ganz in der Nähe vom Technopark und das Café Z hinterm Albisriederplatz). Die weiteren Kandidaten sollen mit verschiedenen Kollegen abgeklappert werden. Ich würde mich freuen, wenn sich möglichst viele Leute beteiligen. Ein solcher Webster-Hangout soll natürlich allen offen stehen, die sich in irgendeiner Form mit dem Internet beschäftigen: Ob professionell oder aus privatem Interesse.

Eine grundsätzliche, aber sicher unvollständige Liste mit Anforderungspunkten an ein Webcafé in Zürich findet sich im Amazee-Projekt. Man könnte auch ein eigenes Café aufmachen, dafür bräuchte es aber m.E. noch mehr Hingebung von mehr Leuten. Unabhängig von der Suche nach dem Webcafé für Zürich gibt es übrigens auch die Überlegung, ein betahaus in Zürich aufzuziehen. Derzeit eruieren die Aktivisten hier allerdings noch die Möglichkeiten. Wer sich hier einbringen möchte, kann mal mit dieser Umfrage anfangen.

Und wer sich via Twitter an der Suche beteiligen möchte, der/die/das Hashtag ist #webcafezh.

A Decade of Hits IV

Die Top 50 des Jahrzehnts, Teil Vier (hier Teile III, II und I). Die Plätze 20 bis elf. Die Spannung steigt.

20. Kinski – Down Below It's Chaos (2007)
Eine Sub-Pop-Band, zu der ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen bin. Eigentlich machen sie ziemlich sicher sowas wie Stoner-Rock, allerdings sehr instrumentell. Ich weiß nicht, ob Stoner-Fans auf Kinski stehen, zumal sie auch ein wenig unglamuröse, oder eher unstonerige alte Säcke sind. Dafür drückt ihr "Down Below It's Chaos" ganz schön, für mich eines der spannendsten Alben 2007, auf eine sehr angestaubte Art. Für laut.de besprochen.

19. The Book Of Daniel – Songs For The Locust King (2006)
Mit The Book Of Daniel verhält es sich ähnlich wie mit Kinski. Sie kam einfach reingeschneit, die Platte, und ich habe wohl ob des komischen Albumtitels mal reingehört. Musikalisch ist TBoD wohl der Gegenentwurf zu den alten Herren und der Dame aus Seattle. Der Schwede Daniel Gustafsson macht schwermütige Musik, ohne dabei in Indieklischees zu verfallen. Eigentlich schafft er sogar so etwas wie einen eigenen musikalischen Kosmos. Indie-Jazz oder sowas. Auch live eine ganz tolle Sache, wie ich an einem unvergesslichen Abend in Gossau bei St.Gallen mit ca. 10 anderen Zuschauern erfahren durfte. Für laut.de besprochen.

18. Two Gallants – What The Toll Tells (2006)
Two Gallants sind vielleicht der größte Wurf von Saddle Creek seit Bright Eyes und The Good Life/Cursive. Zumindest künstlerisch gesehen. Die beiden Kalifornier überschreiten die Grenzen von Indiefolk, Alt. Country und Americana und kreieren einen Soundtrack für den bösen Südwesten, der von Gewalt, Hitze und Rassismus bestimmt wird. Ein fesselndes Album, das man sich auch als Soundtrack für einen sehr komischen Western vorstellen könnte. Eine der ganz positiven Überraschungen des Jahres 2006. Für laut.de besprochen.

17. Interpol – Our Love To Admire (2007)
Diese Interpol-Platte (die zweite in den Top 50) hat dann richtig bei mir gezündet. In meinen Augen ist die Stärke von "Our Love To Admire" gegenüber den ersten beiden Longplayern, dass sie auch als Ganzes sehr gut funktioniert und nicht von einzelnen Highlights lebt. Der kühle Pathos der New Yorker scheint hier auf die Spitze getrieben und Stücke wie "Pioneer To The Fall", "No I In Threesome" oder "The Heinrich Maneuver" sind bleibende Ohrwürmer geworden. Was mich ärgert: Dass ich die Band immer noch nicht live gesehen habe.

16. British Sea Power – Do You Like Rock Music? (2007)
Wow, was für eine Band, was für ein Hochgefühl. British Sea Power waren mir mit ihren ersten beiden Alben "The Decline Of ..." und "Open Season" schon aufgefallen. Vor allem die Bowie-Anleihen auf der zweiten Platte waren der Wahnsinn. Mit "Do You Like Rock Music?" steigerten sie ihre künstlerische Leistung noch einmal und fanden zu einer grandiosen Eigenständigkeit. Auch live sind die Engländer ein Sturm. Vielleicht das beste Indie-Album des Jahrzehnts. Für laut.de besprochen.

15. Sascha Funke – Mango (2008)
Sascha Funke ist in Electro-Kreisen natürlich kein Unbekannter, was mich natürlich nicht daran hinderte, ihn erst mit letztjährigem "Mango" zu entdecken. Minimal Techno muss nicht immer langweilig sein, habe ich erfahren. "Mango" ist ein schönes, abwechslungsreiches, fast zartes Album, dass sich prima für einen langsamen Sonntagnachmittag zuhause eignet, aber sicher auch prima auf der Afterhour am, äh, Montagmorgen laufen kann. Oder wann auch immer. Kein Wunder, dass Kollege Schuh die Höchstwertung gezückt hat.

14. Sonic Youth – Rather Ripped (2006)
Okay, meine Top 50 wären nicht komplett ohne Sonic Youth. Jetzt haben die in den vergangenen zehn Jahren fünf Studioalben rausgebracht, keine leichte Entscheidung also. Kurz vor "Murray Street" von 2002 gewinnt aber "Rather Ripped" den bandinternen Wettstreit. Weil es das wohl poppigste, zugänglichste Album der New Yorker ist, das ich je gehört habe. Und mit "Incinerate" so etwas wie einen persönlichen Superhit enthält. Nicht jeder SY-Fan wird hier zustimmen, aber ich finde diese Zahmheit, die "Rather Ripped" transzendiert, durchaus authentisch für die Band. Deshalb diese Platte.

13. Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That's What I'm Not (2006)
Um die Arctic Monkeys führte 2006 kein Weg vorbei, weder bei laut.de noch sonst irgendwo. Mit ziemlicher Leichtigkeit hievte die Redaktion die Engländer auf den Thron für das Album des Jahres, und auch ich konnte mich dem nicht entziehen. Dieser unverschämt direkte Garagenrock mit so herrlichen Perlen wie "Riot Van" musste einfach landen. Leider konnten sie mit den folgenden Alben qualitativ nicht an das Debüt heranreichen. Aber mehr als ein gutes Album braucht eine Band in Zeiten solch kurzer Aufmerksamkeitsspannen ja nicht, um zumindest temporär zur Legende zu werden.

12. The Thermals – The Body The Blood The Machine (2006)
Auch die Thermals finden sich zweimal in den Top 50, ebenso völlig zurecht. Bei wenig anderen Bands machte in der letzten Dekade Rockmusik so viel Spaß wie bei diesen Sub-Pop-Superhelden. "The Body The Blood The Machine" ist dabei aufgeladen mit religiösen Bildern, die dieser Platte eine ironische Größe geben, eine Überhöhung, die die darauf enthaltene Musik fast sakral erscheinen lässt. Und das gepaart mit einer ehrfürchtigen Poppigkeit, wow. We were born to sin! Für laut.de besprochen.

11. Franz Ferdinand – Franz Ferdinand (2004)
"Ich heiße superfantastisch, ich trinke Schampus mit Lachsfisch!" Die wohl obskurste Songzeile der Noughties. Was dadaistisch daherkam, wurde untermalt von ähnlich abstraktem in den dazugehörigen Videos. Kein Zweifel, Franz Ferdinand haben den Scheiß (Kunst) studiert. Und setzen es aber gleichzeitig aber so um, dass es eine wahre Freude ist. Im Nullkommanix sind die Schotten nicht mehr aus der Indiedisco wegzudenken. Auch ihre Nachfolgealben taugen etwas (im Gegensatz zu den südlichen Kollegen der Monkeys), wenn auch nicht in der ganzen Gloria des Debütalbums.

Nächste Woche dann die Top Ten. Jippiejippiehyeah!

Dig!

14.11.09

Ch-ch-changes


November spawns a monster! Mal wieder was in eigener Sache: Veränderungen kommen zu Merely Thinking. Nach nun bald fünf Jahren Bloggen und zwei Blogs wird Merely Thinking noch im November umziehen. Auf einer eigenen Domain wird es die Seite dann mit neuem Design geben. Das Aussehen besorgt Rahel von Virtually Handmade, auch hier wird es eine Besonderheit geben, auf die ich beim Launch dann noch genauer eingehen werde. In den letzten Monaten haben immer mehr Leute Merely Thinking gelesen, so dass ein Umzug zu diesem Zeitpunkt sicher Sinn ergibt. Inhaltlich wird sich wahrscheinlich nicht vieles ändern, doch auch auf einem anderen Blog werde ich in Zukunft aktiv sein. Darauf freue ich mich ganz besonders, demnächst auch dazu mehr.

08.11.09

A Decade of Hits III

Dekadencharts, Teil III (Teil II hier, Teil I hier). Meine völlig subjektiven 50 Alben des Jahrzehnts, Plätze 30 bis 21.

30. Future Of The Left – Travels With Myself And Another (2009)
Die Nachfolgeband von meinen persönlichen Göttern mclusky schlug schon mit dem ersten Album "Curses" ordentlich in meinem musikalischen Kosmos ein, das Zweitwerk von diesem Jahr bestätigt den guten ersten Eindruck. Future Of The Left macht eigentlich da weiter, wo mclusky aufgehört hat: Grösstmöglichsten Lärm zu produzieren und dabei immer wieder die schöne Melodie zu suchen. Live natürlich eine Bombe. Unbedingt ansehen, wenn sich die Gelegenheit bietet! Für laut.de besprochen.

29. Radiohead – In Rainbows (2007)
Die einzige Platzierung eines der vier "regulären" Radiohead-Alben auf eben der 29. in einer Zusammenschau des Jahrzehnts spiegelt zugegebenermaßen nicht ganz meine Wertschätzung für die Engländer wieder. Ich liebe Radiohead und bin fest davon überzeugt, dass sie zu den besten Bands unserer Zeit gehören, vielleicht sogar die beste sind. Doch Radiohead sind als Gesamtpaket groß, alle Alben, über die lange Karriere gesehen formen sich zu einem herausragenden Ganzen. Live natürlich so gut wie unschlagbar, auf ihre ganz eigene Art. Für meine Besprechung bei laut.de musste ich, trotz positivem Urteil, viel Prügel einstecken.

28. Stars – In Our Bedroom After The War (2007)
Stars haben bei mir recht spät gezündet. Als ich 2006 in Konstanz in meine WG eingezogen bin, hatte Vormieterin Vicky netterweise eine Kopie der ersten Stars-Scheibe "Set Yourself On Fire" für mich hinterlassen. Nach ein-, zweimal hören, beließ ich es dabei. Richtig eingeschlagen hat dafür der 2007er Nachfolger mit seinen beiden Übernummern "Take Me To The Riot" und "The Night Starts Here". Live erinnerte das ganze ein bisschen an The Beautiful South, und das ist durch und durch positiv gemeint. Für laut.de besprochen.

27. Arcade Fire – Neon Bible (2007)
Über Freundin Caro wiederum bin ich seinerzeit auf Arcade Fire gekommen, und dafür muss man schon dankbar sein. 2007 stand ich dann mit ihr im Arm auf dem Southside, sie heulend und Wettererscheinungen fotografierend, die extra für dieses Konzert aufgezogen waren, und auch mir stand ob der schieren Emotionalität des Moments das Wasser in den Augen. Arcade Fire zelebrieren wie niemand sonst das große Gefühl. Aber das muss ich wahrscheinlich niemandem sagen. Indie-Päpste sind sie, die Kanadier, und das völlig zu Recht.

26. Hell – Teufelswerk (2009)
Für das Konzeptalbum (TM) "Teufelswerk" legt Hell das DJ ab und produziert eine Scheibe für die Nacht (mit Bums) und eine für den Tag (mit etwas weniger Bums). Für mich eine der besten Alben des Münchners. Aber ich hab auch nicht so viel Ahnung von DJ Hell. Und wohl auch eine Platte, auf die ich ohne die Hilfe eines Elektro-bewanderten laut-Kollegen nicht gekommen wäre. Sicher die Elektroplatte des Jahres 2009.

25. Morrissey – Years Of Refusal (2009)
Regelmäßige Leser wissen: Morrissey ist Gott. Diskussionen gab es beim laut-internen Kuhhandel um die Charts allerdings viel: Welche Mozfather-Platte nimmt man rein? "You Are The Quarry" war bei den meisten gesetzt und ich erntete mit meiner Wahl der diesjährigen Scheibe eher Unverständnis. Dabei ist "Years Of Refusal" von vorne bis hinten eine Hitparade. Und so vielseitig wie Morrissey schon lange nicht mehr war (ohne dabei auf die Nerven zu gehen).

24. Gus Gus – Forever (2007)
Im Frühjahr 2007 gab es kaum eine andere Platte für mich als "Forever". Ich war für einen Monat in Berlin und der pulsierende Diven-Techno der Isländer passte perfekt zum Rhythmus der Stadt. Der mitunter exzentrische Sound fand seine kulminierende Entsprechung später im Jahr in einem unglaublichen Konzert im Rohstofflager in Zürich mit ganzkörperneonbemalten Sängerinnen und einem Bandleader, der bei der Zugabe tatsächlich fragte: "Have you got the money?" Die Schweizer haben natürlich das Geld, wie der plötzlich im Münzregen stehende President Bongo erfahren durfte.

23. Saalschutz – Macht's Möglich (2006)
"Ich will den ganzen Tag nur Saalschutz hörn!" Mit "Macht's Möglich" landet Saalschutz die einzige Audiolith-Platte in den Top 50. Naja, Audiolith war die damals genau genommen auch noch nicht. Aber frenetischer Party-Technotrash aus der Schweiz gehört genau hierher. Großartiger Musikwahnsinn, dem hoffentlich noch ein drittes Album folgt. Live ein chaotischer Hochgenuss, und wenn MT Dancefloor auflegt, ist sowieso alles zu spät. Für laut.de besprochen.

22. LCD Soundsystem – Sound Of Silver (2007)
LCD Soundsystem sind wieder so Elektrolieblinge der Indies. Völlig zurecht, auch wenn mir nicht "North American Scum" als bestes Stück auf "Sound Of Silver" reinläuft, sondern der fulminante Opener "Get Innocuous!". Und auch danach hat das LCD wesentlich mehr zu bieten als so viele Genrekollegen: Große Gefühle, Pathos, Liebeserklärungen, und Partey! Viel besser wirds nicht. Auch hier ist der Nachfolger heiß erwartet.

21. The Decemberists – The Crane Wife (2007)
Kaum eine Indiepop-Platte der letzten zehn Jahre war so verträumt wie "The Crane Wife". Kein Wunder, basiert der Titel und der dazugehörige Track doch auf einem japanischen Märchen. Ganz, ganz großes, episches Songkino. Auch ich habe mich davon verzaubern und entführen lassen. Bei laut.de damals mit Höchstwertung. Leider höre ich die Platte heute kaum noch, weiß jemand, wie der Nachfolger klingt? Für laut.de besprochen.

Am nächsten Sonntag folgen dann die Positionen 20 bis elf.

Banksybeitrag bei Arte Tracks

Eine schöne Erinnerung an den Wochenendtrip mit fast fünf Stunden anstehen für die Ausstellung des Jahres ist dieses Kurzportrait von Banksy, scheinbar ausgestrahlt bei Arte Tracks irgendwann im Sommer. Interessante Zahlen werden da präsentiert. 299,998 Besucher haben die Ausstellung außer uns gesehen, zum Teil haben sie bis zu acht Stunden angestanden.

(Via Nerdcore.)

Oscar & Elmo

Sesamstraßenfeierei, Teile III und IV.

Juri Gagarin – Wet Dreams

Die Juris haben eine neue Nummer am Start, "Wet Dreams" ist Vorbote des zweiten Albums. Und am 12.12. spielen sie in Zürich. Das wird ein Spaß!

06.11.09

Eclectic Method machens à la Phish

Phish hatten scheinbar angekündigt, zu Halloween eines von 99 vorausgewählten Alben covern zu wollen. Keine Ahnung, warum genau, ich hab auch nicht wirklich Ahnung von Phish. Wichtig ist, dass sich Eclectic Method, die britischen Videomasher-Genies, der 99 Alben aus besagter Vorauswahl angenommen haben und diese schön zu einem audiovisuellen Hackbraten geformt haben. Dig!

(Via Laughing Squid.)

Ernie & Bert


Google feiert das populärste Kinder-TV-Programm der Welt, Part II. Ich vermute jetzt mal, dass das bis zum 10. so weitergeht, denn dann wird die Sesamstraße 40. (Miss Cakehead hatte gestern noch einen Screenshot von Bibos Beinen. Das war mir entgangen. Heute via Mashable.)

05.11.09

Cookie Monster


In ein paar Tagen wird die Sesamstraße 40 Jahre alt. Und Google sagt auf seine Art "Danke" (und passenderweise esse ich grade ein Stück Kuchen).

03.11.09

Internationales Jahr der Astronomie

Das, was bei Simon C. Page so unter "Retro Minimalism" läuft, ist im Großen und Ganzen nicht so meine Tasse Tee, aber seine Posterentwürfe zum Internationalen Jahr der Astronomie sind grandios.

(Via Colourcritique.)

Dig!

Die 50 Songs des Jahrzehnts

Während ich noch die 50 Platten der Dekade abarbeite, ist laut.de schon bei den Top 50 Songs angelangt. Die Nummer eins ist keine große Überraschung, für mich ein bisschen zu sehr Konsens. Dafür umso überraschender: Madonna in den Top Ten, Turbonegro auf Platz 12 und die komplette Abwesenheit von "Remmidemmi". Meine Top 50 Songs kommen dann nach den Alben.

Dig!

01.11.09

A Decade of Hits II

Teil Zwei der Decade of Hits, leicht verspätet (Teil Eins gibts hier). Die besten Alben des Jahrzehnts, meiner Meinung nach, Plätze 40 bis 31. Here we go:

40. The Chemical Brothers – We Are The Night (2007)
Ich bin kein Elektro-Checker, wer mich kennt, weiß das. Somit ist es sicher nicht verwunderlich, dass ich ein großer Chemical-Brothers-Fan bin. Sie sind so etwas wie Common Sense für Leute, die elektronische Tanzmusik mögen, aber eigentlich keinen Plan von der Materie haben. Das macht die beiden Brothers natürlich nicht schlechter. Ihr "We Are The Night" war für mich wieder ein Topalbum, nachdem ich "Push The Button" eher für einen Durchhänger gehalten hatte. So eklektisch wie hier waren Simons und Rowlands noch nie. Und sie tauchen auch bei den Songcharts noch einmal auf.

39. The Shins – Wincing The Night Away (2007)
Eine Platte, der ich damals die volle Punktzahl geben musste. Ein zum Heulen schönes Indiepopalbum, mit nahezu perfekten Songs versehen. Live gestaltete sich das ganze ein Stück rockiger, was mich im ersten Moment verwirrte, dann aber doch ganz gut reinlief. Mit den Shins verbinde ich gute Zeiten. Was mich besonders freut, dass es sogar einige Kollegen bei laut gab, die etwas mit der Platte anfangen konnten. Die Shins sind spätestens seit dieser Platte kein Geheimtipp mehr. Zurecht. Für laut.de besprochen.

38. Trentemøller – The Last Resort (2006)
Trentemøller ist auch so ein kleinster gemeinsamer Nenner von Indiefritzen, die nur so halbwegs wissen, was in der Elektroszene abgeht. Aber wo die Chemical Brothers auf die Partyglocke hauen, baut der Däne gepflegte Soundscapes auf, die (passend zum Cover) nach kalter Frische, wohltuender Feuchtigkeit und nordischem Wald klingen. In seiner Musik kann man sich prima verlieren, fühlt sich aber stets gut aufgehoben. Was nicht ausschließt, dass es (vor allem auch live) mal ordentlich rummsen kann. Auf Grund des Tiefgangs wohl vor den Brüdern aus England.

37. Thrice – The Artist In The Ambulance (2003)
Das Album, das ich 2003 wohl am meisten gehört habe. Ich war auf der Höhe meiner Reverenz für Gitarrenmusik und zu Thrice kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Meine steile, unaufhaltsame musikjournalistische Karriere begann in diesem Jahr nämlich mit einem Interview mit Thrice für das 11pm-Magazin. Das gibt es mittlerweile nicht mehr, mit dem Betreiber Mirko bin ich weiterhin verbunden, er arbeitet mittlerweile als Mr. SideOneDummy Deutschland. Anyway, Thrice waren supernett im Interview und ihre Platte hat mich 2003 ziemlich weggeblasen. Dazu muss man sie wohl selbst hören. Tighter Postcore mit lyrischem Tiefgang. "The Artist In The Ambulance" war damals mein Album des Jahres, der Titeltrack der Song des Jahres.

36. John Frusciante – Shadows Collide With People (2004)
Zum Thema John Frusciante gab es einige Diskussion im lautinternen Fanlager: Wählt man "To Record Only Water For Ten Days" oder eben "Shadows Collide With People". Ich kenne letztere Platte wesentlich besser, deshalb hier stellvertretend für das beachtenswerte Gesamtwerk des Chili-Peppers-Gitarristen auf Platz 36. Wahnsinnssongs kreieren Wahnsinnsstimmungen. Ein Kollege behauptet, "Song To Sing When I'm Lonely" wäre ein Lied gewordener Ladykiller. Ich habe es mangels musikalischer Kenntnisse noch nicht nachprüfen können.

35. The Hives – Veni, Vidi, Vicious (2000)
So begann also das Jahrzehnt. Fünf vorlaute Schweden reißen mit ihren ersten beiden Alben "Barely Legal" und "Veni, Vidi, Vicious" alle Mauern ein. Wahnwitz gepaart mit Punkrock, das sind die Hives. 2004 im Interview beim Southside verstärkte sich der Eindruck, aber hey, es ist alles nur Show in einem Business, das die Show als das einzig Wahre verkauft. Wenn es mit so viel Style geht wie bei den Hives, bin ich zufrieden. Auch wenn sie mit den letzten beiden Alben doch ziemlich nachgelassen haben.

34. Death From Above 1979 – You're A Woman, I'm A Machine (2005)
Eine Band wie ein Hurricane: Death From Above 1979 kamen, veröffentlichten ein Album und verschwanden wieder. Ein Album, das Beachtung fand und nach dessen Durchschlagskraft man sich später sehnen würde. Elf Stücke purer Wahnsinn, zwei Typen, die Lärmen, was die Instrumente (Bass, Synths, Drums) hergeben, und ein neues Genre: Dancepunk. Oder Elektropunk. Thank you for the, äh, music.

33. Kings Of Convenience – Quiet Is The New Loud (2001)
Selten war ein Albumname so sehr Programm wie bei den Kings Of Convenience. Ihr Singer/Songwriter-Pop wurde stilbildend für ein Genre, Erlend Øye eine Art Ikone, ein Blueprint des Indieschluffels. Ein schönes, sanftes Album mit ein bisschen Tanzteeatmosphäre, eine Platte für Herbstspaziergänge und Winterabende. Weich wie eine Daunendecken, zart wie Vanillekipferl.

32. Danko Jones – I'm Alive And On Fire (2001)
Eigentlich muss man Danko Jones gar nicht auf Platte besitzen, das kanadische Rockmonster muss man eigentlich nur nur mal live gesehen haben. Selten habe ich eine so absurd gute Rockshow gesehen. Danko ist ein Tier, eine Dampfwalze, der vor nichts halt macht. Schon gar nicht vor sich selbst. Da kann es schon mal sein, dass er im Wahn anfängt zu predigen und sich selbst ohrfeigt. Wenn man dann doch mal eine Danko Jones-Platte braucht, sollte man zu "I'm Alive And On Fire" greifen. Ein feiner Parforce-Ritt auf sechs Saiten.

31. Kante – Die Tiere Sind Unruhig (2006)
Kante ist normalerweise nicht meine Tasse Tee. Mit deutscher Indiemusik tue ich mich bis auf einige wenige Ausnahmen (Kettcar, Tomte, Tocotronic natürlich) eher schwer. Zuviel Kopf und zu wenig Bauch herrscht da oft, und das geht schnell auf den Geist. Nicht so bei Kantes "Die Tiere Sind Unruhig". Ein komisches Album eigentlich: Dunkel und hell zugleich, bedrückend und befreiend, positiv und pessimistisch. Lyrisch ganz groß und wohl der beste deutschsprachige Output dieses Jahrzehnts (minus alle Tocotronic-Platten).

Nächsten Sonntag gehts weiter, die Songs des Jahrzehnts kommen dann nach den Alben.