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17.12.09

Allein unter Holocaust-Leugnern

Ein recht interessanter Artikel hat mich über Twitter erreicht (das werden in der Tat immer mehr, Twitter is the new Feedreader). Der Schweizer Drehbuchautor Michael Sauter reist zum Kurzfilmfestival nach Teheran, und gerät natürlich in eine vom Regime gesteuerte Veranstaltung. Der Grund seines Besuchs im Iran: Sein Film "Endsieg" läuft im Wettbewerb.

Natürlich muss man Sauter Naivität vorwerfen, dass er da einfach hinfährt und denkt, das sei schon alles kosher da; allerdings ist sein kurzer Reisebericht im Tagesanzeiger dann doch sehr interessant zu lesen und vor allem auch sehr enthüllend. In der Jury des Filmfestivals sitzt beispielsweise die internationale Crème de la Crème der Antisemiten.

Über den Vibe des Staats und der Stadt schreibt Sauter: "Und das offizielle Teheran mit seinen schmuddeligen Banken, den von grellem Neonlicht erleuchteten Shops, den allgegenwärtigen Porträts von Khomenei und Khameini fühlt sich an wie ein Krebs, der zu müde ist, einen zu töten, und einen lieber dahinsiechen lässt."

Und über das Gefühl, mit Antisemiten und Apologeten des Regimes abzuhängen: "Ich denke, es ist eine Definition von Hölle: Tag für Tag, Abend für Abend, nüchtern und nicht rauchend, in einer tristen iranischen Hotellobby neben älteren, liebenswürdigen Nazis zu sitzen und zusammen Press-TV zu schauen, das iranische Pendant zu CNN, das einen über alles und jeden informiert, nur dass am Ende immer die Juden schuld sind."

Am Ende ist er froh, keinen Preis gewonnen zu haben: "Das ist bei dieser Jury die grösste Ehre, die man sich denken kann."

21.07.09

Spannende Einblicke in die iranische Protestszene

Die englische Ausgabe von Al Jazeera hat in seiner Sendung "People & Power" eine wirklich sehr spannende, mitunter erschreckende und aufhellende gut 24-minütige Doku-Reportage der französischen Journalistin Manon Loizeau ausgestrahlt. Man kann den Mut und die Verzweiflung und die Angst förmlich greifen. Ein must see.

(Via Free Iran Now.)

23.06.09

Demoaufruf für morgen in Zürich

Unter dem Motto "Solidarität mit dem iranischen Widerstand! Keine Geschäfte mit den Mullahs! Nieder mit der Islamischen Republik Iran!" rufen "Iranische und Schweizer Gruppen" für morgen, Mittwoch, den 24.06. um 18 Uhr zur Demo auf die Pestalozziwiese an der Bahnhofstrasse. Wo es heute doch wieder ermutigende Zeichen aus dem Iran gab, die Risse im System andeuten, sage ich: Kommet zuhauf!

20.06.09

Drei Karikaturen zum ...

Hier drei Karikaturen zum Gebrauch von Internet und Social Media bei den derzeitigen Protesten gegen das Regime in Iran. Während im Westen übrigens hauptsächlich über die Rolle von Twitter und allenfalls noch Youtube und Facebook geschrieben wird, hat SkyNews am Donnerstag berichtet, dass, Achtung, Ironie der Zeitgeschichte, auch die israelische Mobile-VoIP-App Fring eine gewisse Rolle spielt.

(Via Laughing Squid.)


(Via Nerdcore.)

18.06.09

Way to go, OIC!

Die OIC ist die Organization of the Islamic Conference. Wie das Blog Hudson New York berichtet, wehren sich die Mitglieder der OIC gegen die Einführung eines sogenannten UN-Sonderberichterstatters, der Gleichstellungsbemühungen für Frauen bzw. deren Diskriminierung monitort. Die bei Hudson New York zitierten Argumente gegen einen solchen Posten sind ebenso abenteuerlich wie altbekannt. Man würde nur mehr Bürokratie und mehr Kontroversen schaffen mit so einem Berichterstatter, man müsse doch kulturelle und religiöse Unterschiede respektieren. Interessant in dem Zusammenhang ist die Tatsache, dass in vielen Mitgliedsländern der OIC häusliche Gewalt oder Vergewaltigung in der Ehe nicht unter Strafe steht. Das i-Tüpfelchen ist da nur die Argumentation des iranischen Vertreters: "I would like to emphasize the role of chastity on strengthening crime prevention to eliminate violence against women and girl children." 'Nuff said.

Change? - Well ...



Wie die meisten politisch interessierten Menschen verfolge ich dieser Tage mit großer Spannung die Geschehnisse in Iran. Ich möchte (für die Welt, aber vor allem auch für die Menschen dort), dass Ahmadinejad von der politischen Bühne verschwindet. Aber ich will, dass er das sog. Mullah-Regime gleich mitnimmt. Denn Oppositionsführer und derzeitiges Idol aller Regimegegner Mir Hossein Mussawi kann nicht die ultima ratio sein. Seine Vergangenheit ist mittlerweile gut bekannt und er ist mit Sicherheit nicht der Reformer, den der Westen sich wünschen kann. Er wäre gar nicht erst zur Wahl zugelassen geworden, würde er eine existenzielle Gefahr für das bestehende System darstellen.

Lizas Welt bringt es (mal wieder) gut auf den Punkt und zitiert den Publizisten Wahied Wahdat-Hagh "Das heutige politische System Irans ist nicht reformierbar." Und im Interview mit Zeit Online sagt ein iranischer Aktivist: "Es geht uns nicht um Mussawi als Person. Wir wollen einen richtigen, großen Wandel." Die Lage und die Möglichkeiten werden also auch innerhalb des Landes erkannt. Ich bin gespannt, wie lange es noch geht bevor es entweder kracht in Iran, oder das System zusammenbricht. Ich bin eher pessimistisch, lasse mich aber gerne von der Geschichte (großes Wort!) berichtigen.

Als Fußnote finde ich natürlich auch die Rolle von Social Media sehr interessant. Clay Shirky ("Here Comes Everybody") hat erst im vergangenen Monat einen kurzen Vortrag gehalten, bei dem es auch um die Rolle von Twitter und ähnlichen Diensten geht. Ab ca. 6:50 spricht er über Twitter in China.

(Foto genommen von .faramarz. der auch von den Demonstrationen eine ganze Menge eindrückliche, aber auch krasse Bilder hat.)

15.06.09

Iran's Disputed Election

Ich weiß ja noch nicht so recht, was ich aus den Geschehnissen im Iran machen soll. Natürlich wäre es wünschenswert, dass Ahmadinejad von der Bildfläche verschwünde, doch ob Mussawi besser wäre? Ich bin unsicher. Dennoch sind natürlich die Fotos von The Big Picture wieder einmal großartig. Unglaublich beeindruckend und verstörend zugleich.