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25.08.09

Banksy Vs. Bristol Museum

Was für eine Rundreise für ein Wochenende. Freitagvormittag mit dem Flieger von Zürich nach London Luton, von dort mit dem Bus zur Paddington Station, von dort mit dem Zug nach Bristol, mit dem Vorortzug in eine Gegend, die der unbedarfte Engländer bei kurzem Ansehen wohl am ehesten als dodgy bezeichnen würde, die sich aber als eigentlich völlig okay herausstellte. Dort die Sachen bei Ed, meinem ersten Couchsurfing-Gastgeber ever, abgestellt. Ein netter, gemütlicher Zeitgenosse, den wohl außer ein Mangel an Tee nichts aus der Ruhe bringen kann. Sehr angenehm.

Nach ruhigem Abend mit leckerem Curry gings am nächsten Morgen in die Stadt zum Bristol Museum. Dort stellt der Tausendsassa von den Straßen der Stadt, Banksy, noch bis zum kommenden Sonntag seine Werke aus. Graffitis, auf Leinwand, multimediale Installationen, sogenannte Animatronics, modifizierte Gemälde, eigentlich alles. Tausendsassaesk eben. Dass wir nicht die einzigen sein würden, die anstehen wollen, war uns klar. Doch dass die Schlange eine ganze Straße bevölkern würde und schon einmal halb um den nächsten Block langte, als wir eine Dreiviertelstunde vor Museumsöffnung dort ankamen, hätten wir uns nicht gedacht. Also, anstehen, hilft ja nix, alle anderen nahmen es auch mit Humor, und nach vier Stunden und 40 Minuten waren wir auch schon drin. Und wie hat sich das gelohnt.



Banksy ist als Künstler genau meine Tasse Tee. Mehr noch, ich bin seit dieser Ausstellung fest davon überzeugt, dass er der größte Gegenwartskünstler ist. Wobei er natürlich nicht mit anderen zeitgenössischen Genies wie Sigmar Polke oder Gerhard Richter zu vergleichen ist, weil er weder großen Wert auf Anspruch noch auf Abstraktheit legt. Banksy ist ein Künstler von der Straße für die Straße. Was mir besonders gefällt ist sein Humor, seine grundsätzliche Respektlosigkeit allem gegenüber, das keinen Respekt verdient, seine manchmal gar nicht so subtile Subversion und seine Fähigkeit, auf Missstände hinzuweisen, ohne den Zeigefinger zu bemühen. Und dass er sich selbst nicht so ernst nimmt. In einem Gemälde in dickem Goldrahmen waren zwei Strichmännchen und folgender Dialog zu sehen: "Does anyone actually take this kind of art seriously?" – "Never underestimate the power of a big gold frame".








Mehr Fotos gibt es bei flickr.

Nach der Ausstellung war zwar nicht mehr viel Energie für den Rest von Bristol übrig, immerhin haben wir noch zwei Original-Banksys in freier Wildbahn gesehen, darunter wohl eine seiner berühmtesten Arbeiten, schon leicht lädiert.




Am Sonntag nahmen wir den Zug zurück nach London, wo wir grade noch genug Zeit für die Rock'n'Roll-Library des Ex-Clash-, Ex-Big-Audio-Dynamite- und derzeitigen Carbon/Silicon-Gitarristen Mick Jones hatten. Eine hübsche kleine Angelegenheit mit vielen Memorabilia nicht nur aus den seligen Clash-Zeiten. Leider war Mick selbst nicht vor Ort, der hatte am Abend vorher dort einen intimen Gig gespielt (doh!) und sich am Sonntag nach Spanien verkrümelt. Nunja. Schön wars trotzdem. Dann abschließend von Notting Hill zurück zur Paddington Station, von da nach Heathrow, von da nach Zürich. Puh.

30.07.09

Mick Jones eröffnet die Rock'n'Roll Public Library


Woohoo! Ich plane gerade einen Last-Minute-Trip zur Banksy-Ausstellung in Bristol und muss dann wohl noch kurz in London vorbei. Mick Jones, Punkrock-Legende und musikalischer Unruheständler, hat mit Sammlergegenständen, die er selbst zusammengetragen hat, eine Rock'n'Roll Public Library eröffnet. Bis 25. August ist sie von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet, mitten in Notting Hill in der Acklam Rd. London Calling! Ich bin sowas von dabei.
(Via BoingBoing & ByteFM, Foto von Singlespeed2008.)

04.01.09

"From doll queue to club dates"

Via Nerdcore kommt dieser schöne Beitrag von London Weekend Television über die Anfänge des Punk. Als er ausgestrahlt wurde, war ich gerade mal ein halbes Jahr alt. Ein tolles Zeitdokument über eine gerade erst erblühende verglühende Szene, dem man immer wieder das WTF?-Moment, das Punk zu Anfang sicher noch hatte, anmerkt.

Besonders schön die Moderatorin mit Hippiebrille und -haarschnitt, charmantem Sprachfehler dank horrendem Überbiss und gleichzeitiger totaler Unerschrockenheit. Bemerkenswert auch, dass schon damals die überteuerten Konzertpreise als Argument für die Entfremdung der Fans von den großen Bands der siebziger Jahre (Led Zep etc.) ins Argumentationsfeld geführt wird.

Und natürlich fragt Moderatorin Janet Street-Porter stellt, offensichtlich nicht wirklich szenekundig, aber wohlwollend, Standardfragen zu "White Riot" oder "Anarchy In The UK", die in den letzten Jahrzehnten zur Genüge durchgekaut worden sind. Damals war das aber wohl noch erlaubt. Insgesamt eine sehenswerte halbe Stunde (von der ich lustigerweise schon einmal einen Ausschnitt entwendet habe), mit Livemitschnitten der Pistols: "Pretty Vacant", "Anarchy In The UK" und "No Fun".



(Direkt-LWT.)